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Welche Richtschnur sollten wir beachten?
Wie alles im Leben gibt es ein paar Regeln.
Jedoch derjenige der nicht mehr so genau weis wie
die 10 Gebote heißen, kann hier schnell nachlesen.
Die
zehn Gebote
Das erste Gebot
Ich bin der Herr, dein Gott. Du sollst keine anderen
Götter haben neben mir.
Das zweite Gebot
Du sollst den Namen des Herrn, deines Gottes, nicht
missbrauchen.
Das dritte Gebot
Du sollst den Feiertag heiligen.
Das vierte Gebot
Du sollst deinen Vater und deine Mutter ehren.
Das fünfte Gebot
Du sollst nicht töten.
Das sechste Gebot
Du sollst nicht ehebrechen.
Das siebte Gebot
Du sollst nicht stehlen.
Das achte Gebot
Du sollst nicht falsch Zeugnis reden wider deinen
Nächsten.
Das neunte Gebot
Du sollst nicht begehren deines Nächsten Haus.
Das zehnte Gebot
Du sollst nicht begehren deines Nächsten Weib, Knecht,
Magd, Vieh noch alles, was dein Nächster hat.
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Erläuterungen
der zehn Gebote von Dr. Martin Luther
DAS ERSTE GEBOT
Ich bin der Herr, dein Gott. Du sollst nicht andere
Götter haben neben mir.
Was ist das?
Wir sollen Gott über alle Dinge fürchten, lieben und
vertrauen.
DAS ZWEITE GEBOT
Du sollst den Namen des Herrn, deines Gottes, nicht
unnütz gebrauchen; denn der Herr wird den nicht ungestraft
lassen, der seinen Namen missbraucht.
Was ist das?
Wir sollen Gott fürchten und lieben, dass wir bei
seinem Namen nicht fluchen, schwören, zaubern, lügen
oder trügen, sondern ihn in allen Nöten anrufen, beten,
loben und danken.
DAS DRITTE GEBOT
Du sollst den Feiertag heiligen.
Was ist das?
Wir sollen Gott fürchten und lieben, dass wir die
Predigt und sein Wort nicht verachten, sondern es
heilig halten, gerne hören und lernen.
DAS VIERTE GEBOT
Du sollst deinen Vater und deine Mutter ehren, auf
dass dir's wohlergehe und du lange lebest auf Erden.
Was ist das?
Wir sollen Gott fürchten und lieben, dass wir unsere
Eltern und Herren nicht verachten noch erzürnen, sondern
sie in Ehren halten, ihnen dienen, gehorchen, sie
lieb und wert haben.
DAS FÜNFTE GEBOT
Du sollst nicht töten.
Was ist das?
Wir sollen Gott fürchten und lieben, dass wir unserm
Nächsten an seinem Leibe keinen Schaden noch Leid
tun, sondern ihm helfen und beistehen in allen Nöten.
DAS SECHSTE GEBOT
Du sollst nicht ehebrechen.
Was ist das?
Wir sollen Gott fürchten und lieben, dass wir keusch
und zuchtvoll leben in Worten und Werken und in der
Ehe einander lieben und ehren.
DAS SIEBENTE GEBOT
Du sollst nicht stehlen.
Was ist das?
Wir sollen Gott fürchten und lieben, dass wir unsers
Nächsten Geld oder Gut nicht nehmen noch mit falscher
Ware oder Handel an uns bringen, sondern ihm sein
Gut und Nahrung helfen bessern und behüten.
DAS ACHTE GEBOT
Du sollst nicht falsch Zeugnis reden wider deinen
Nächsten.
Was ist das?
Wir sollen Gott fürchten und lieben, dass wir unsern
Nächsten nicht belügen, verraten, verleumden oder
seinen Ruf verderben, sondern sollen ihn entschuldigen,
Gutes von ihm reden und alles zum besten kehren.
DAS NEUNTE GEBOT
Du sollst nicht begehren deines Nächsten Haus.
Was ist das?
Wir sollen Gott fürchten und lieben, dass wir unserm
Nächsten nicht mit List nach seinem Erbe oder Hause
trachten und mit einem Schein des Rechts an uns bringen,
sondern ihm dasselbe zu behalten förderlich und dienlich
sein.
DAS ZEHNTE GEBOT
Du sollst nicht begehren deines Nächsten Weib, Knecht,
Magd, Vieh noch alles, was sein ist.
Was ist das?
Wir sollen Gott fürchten und lieben, dass wir unserm
Nächsten nicht seine Frau, Gehilfen oder Vieh ausspannen,
abwerben oder abspenstig machen, sondern dieselben
anhalten, dass sie bleiben und tun, was sie schuldig
sind.
WAS SAGT NUN GOTT ZU DIESEN GEBOTEN ALLEN?
Er sagt so: Ich der Herr, dein Gott, bin ein eifernder
Gott. der an denen, die mich hassen, die Sünde der
Väter heimsucht bis zu den Kindern im dritten und
vierten Glied; aber denen, die mich lieben und meine
Gebote halten, tue ich wohl bis in tausend Glied.
Was ist das?
Gott droht zu strafen alle, die diese Gebote übertreten;
darum sollen wir uns fürchten vor seinem Zorn und
nicht gegen seine Gebote handeln. Er verheißt aber
Gnade und alles Gute allen, die diese Gebote halten;
darum sollen wir ihn auch lieben und vertrauen und
gerne tun nach seinen Geboten.
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Das Vaterunser
(Das Grundgebet der gesamten Christenheit)
Vater unser im Himmel
Geheiligt werde dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe,
wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich
und die Kraft und die Herrlichkeit
in Ewigkeit. Amen.
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Erläuterungen
des Vaterunsers von Dr. Martin Luther
DIE ANREDE
Vater unser im Himmel.
Was ist das?
Gott will uns damit locken, dass wir glauben sollen,
er sei unser rechter Vater und wir seine rechten Kinder,
damit wir getrost und mit aller Zuversicht ihn bitten
sollen wie die lieben Kinder ihren lieben Vater.
DIE ERSTE BITTE
Geheiligt werde dein Name.
Was ist das?
Gottes Name ist zwar an sich selbst heilig; aber wir
bitten in diesem Gebet, dass er auch bei uns heilig
werde.
Wie geschieht das?
Wo das Wort Gottes lauter und rein gelehrt wird und
wir auch heilig, als die Kinder Gottes, danach leben.
Dazu hilf uns, lieber Vater im Himmel! Wer aber anders
lehrt und lebt, als das Wort Gottes lehrt, der entheiligt
unter uns den Namen Gottes. Davor behüte uns, himmlischer
Vater!
DIE ZWEITE BITTE
Dein Reich komme.
Was ist das?
Gottes Reich kommt auch ohne unser Gebet von selbst,
aber wir bitten in diesem Gebet, dass es auch zu uns
komme.
Wie geschieht das?
Wenn der himmlische Vater uns seinen Heiligen Geist
gibt, dass wir seinem heiligen Wort durch seine Gnade
glauben und danach leben, hier zeitlich und dort ewiglich.
DIE DRITTE BITTE
Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden.
Was ist das?
Gottes guter, gnädiger Wille geschieht auch ohne unser
Gebet; aber wir bitten in diesem Gebet, dass er auch
bei uns geschehe.
Wie geschieht das?
Wenn Gott allen bösen Rat und Willen bricht und hindert,
die uns den Namen Gottes nicht heiligen und sein Reich
nicht kommen lassen wollen, wie der Teufel, die Welt
und unsres Fleisches Wille; sondern stärkt und behält
uns fest in seinem Wort und Glauben bis an unser Ende.
Das ist sein gnädiger, guter Wille.
DIE VIERTE BITTE
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Was ist das?
Gott gibt das tägliche Brot auch ohne unsere Bitte
allen bösen Menschen; aber wir bitten in diesem Gebet,
dass er's uns erkennen lasse und wir mit Danksagung
empfangen unser tägliches Brot.
Was heißt denn tägliches Brot?
Alles, was Not tut für Leib und Leben, wie Essen,
Trinken, Kleider, Schuh, Haus, Hof, Acker, Vieh, Geld,
Gut, fromme Eheleute, fromme Kinder, fromme Gehilfen,
fromme und treue Oberherren, gute Regierung, gut Wetter,
Friede, Gesundheit, Zucht, Ehre, gute Freunde, getreue
Nachbarn und desgleichen.
DIE FÜNFTE BITTE
Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben
unsern Schuldigern.
Was ist das?
Wir bitten in diesem Gebet, dass der Vater im Himmel
nicht ansehen wolle unsere Sünden und um ihretwillen
solche Bitten nicht versagen, denn wir sind dessen
nicht wert, was wir bitten, haben's auch nicht verdient;
sondern er wolle es uns alles aus Gnaden geben, obwohl
wir täglich viel sündigen und nichts als Strafe verdienen.
So wollen wir wiederum auch herzlich vergeben und
gerne wohl tun denen, die sich an uns versündigen.
DIE SECHSTE BITTE
Und führe uns nicht in Versuchung.
Was ist das?
Gott versucht zwar niemand; aber wir bitten in diesem
Gebet, dass uns Gott behüte und erhalte, damit uns
der Teufel, die Welt und unser Fleisch nicht betrüge
und verführe in Missglauben, Verzweiflung und andere
große Schande und Laster; und wenn wir damit angefochten
würden, dass wir doch endlich gewinnen und den Sieg
behalten.
DIE SIEBENTE BITTE
Sondern erlöse uns von dem Bösen.
Was ist das?
Wir bitten in diesem Gebet, dass uns der Vater im Himmel
vom Bösen und allem Übel an Leib und Seele, Gut und
Ehre erlöse und zuletzt, wenn unser Stündlein kommt,
ein seliges Ende beschere und mit Gnaden von diesem
Jammertal zu sich nehme in den Himmel.
DER BESCHLUSS
Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit
in Ewigkeit. Amen.
Was heißt Amen?
Dass ich soll gewiss sein, solche Bitten sind dem
Vater im Himmel angenehm und werden erhört. Denn er
selbst hat uns geboten, so zu beten, und verheißen,
dass er uns erhören will. Amen, Amen, das heißt: Ja,
ja, so soll es geschehen.
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Das
Glaubensbekenntnis
Ich
glaube an Gott, den Vater,
den Allmächtigen,
den Schöpfer des Himmels und der Erde.
Und
an Jesus Christus,
seinen eingeborenen Sohn, unsern Herrn,
empfangen durch den Heiligen Geist,
geboren von der Jungfrau Maria,
gelitten unter Pontius Pilatus,
gekreuzigt, gestorben und begraben,
hinabgestiegen in das Reich des Todes,
am dritten Tage auferstanden von den Toten,
aufgefahren in den Himmel;
er sitzt zur Rechten Gottes,
des allmächtigen Vaters;
von dort wird er kommen,
zu richten die Lebenden und die Toten.
Ich
glaube an den Heiligen Geist,
die heilige christliche Kirche,
Gemeinschaft der Heiligen,
Vergebung der Sünden,
Auferstehung der Toten
und das ewige Leben.
Amen.
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Erläuterungen
des Glaubensbekenntniss von Dr. Martin Luther
DER
ERSTE ARTIKEL.
VON DER SCHÖPFUNG
Ich
glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen,
den Schöpfer des Himmels und der Erde.
Was ist das?
Ich
glaube, dass mich Gott geschaffen hat samt allen Kreaturen,
mir Leib und Seele, Augen, Ohren und alle Glieder,
Vernunft und alle Sinne gegeben hat und noch erhält;
dazu Kleider und Schuh, Essen und Trinken, Haus und
Hof, Weib und Kind, Acker, Vieh und alle Güter;
mit allem, was Not tut für Leib und Leben, mich
reichlich und täglich versorgt, in allen Gefahren
beschirmt und vor allem Übel behütet und
bewahrt; und das alles aus lauter väterlicher,
göttlicher Güte und Barmherzigkeit, ohn
all mein Verdienst und Würdigkeit: für all
das ich ihm zu danken und zu loben und dafür
zu dienen und gehorsam zu sein schuldig bin.
Das ist gewisslich wahr.
DER
ZWEITE ARTIKEL.
VON DER ERLÖSUNG
Und an Jesus Christus, seinen eingeborenen Sohn, unsern
Herrn, empfangen durch den Heiligen Geist, geboren
von der Jungfrau Maria, gelitten unter Pontius Pilatus,
gekreuzigt, gestorben und begraben, hinabgestiegen
in das Reich des Todes, am dritten Tage auferstanden
von den Toten, aufgefahren in den Himmel; er sitzt
zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters;
von dort wird er kommen, zu richten die Lebenden und
die Toten.
Was ist das?
Ich
glaube, dass Jesus Christus, wahrhaftiger Gott vom
Vater in Ewigkeit geboren und auch wahrhaftiger Mensch
von der Jungfrau Maria geboren, sei mein Herr, der
mich verlornen und verdammten Menschen erlöset
hat, erworben, gewonnen von allen Sünden, vom
Tode und von der Gewalt des Teufels; nicht mit Gold
oder Silber, sondern mit seinem heiligen, teuren Blut
und mit seinem unschuldigen Leiden und Sterben; damit
ich sein eigen sei und in seinem Reich unter ihm lebe
und ihm diene in ewiger Gerechtigkeit, Unschuld und
Seligkeit, gleichwie er ist auferstanden vom Tode,
lebet und regieret in Ewigkeit.
Das ist gewisslich wahr.
DER
DRITTE ARTIKEL.
VON DER HEILIGUNG
Ich glaube an den Heiligen Geist, die heilige christliche
Kirche, Gemeinschaft der Heiligen, Vergebung der Sünden,
Auferstehung der Toten und das ewige Leben. Amen.
Was ist das?
Ich
glaube, dass ich nicht aus eigener Vernunft noch Kraft
an Jesus Christus, meinen Herrn, glauben oder zu ihm
kommen kann; sondern der Heilige Geist hat mich durch
das Evangelium berufen, mit seinen Gaben erleuchtet,
im rechten Glauben geheiligt und erhalten; gleichwie
er die ganze Christenheit auf Erden beruft, sammelt,
erleuchtet, heiligt und bei Jesus Christus erhält
im rechten, einigen Glauben; in welcher Christenheit
er mir und allen Gläubigen täglich alle
Sünden reichlich vergibt und am Jüngsten
Tage mich und alle Toten auferwecken wird und mir
samt allen Gläubigen in Christus ein ewiges Leben
geben wird.
Das ist gewisslich wahr.
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Das
Sakrament der heiligen Taufe von Dr. Martin Luther
ZUM ERSTEN
Was ist die Taufe?
Die Taufe ist nicht allein schlicht Wasser, sondern
sie ist das Wasser in Gottes Gebot gefasst und mit
Gottes Wort verbunden.
Welches ist denn dies Wort Gottes
Unser Herr Christus spricht bei Matthäus im letzten
Kapitel: "Gehet hin in alle Welt und machet zu Jüngern
alle Völker: Taufet sie auf den Namen des Vaters und
des Sohnes und des Heiligen Geistes."
ZUM ZWEITEN
Was gibt oder nützt die Taufe?
Sie wirkt Vergebung der Sünden, erlöst vom Tode und
Teufel und gibt die ewige Seligkeit allen, die es
glauben, wie die Worte und Verheißung Gottes lauten.
Welches sind denn solche Worte und Verheißung Gottes?
Unser Herr Christus spricht bei Markus im letzten
Kapitel: "Wer da glaubt und getauft wird, der wird
selig werden; wer aber nicht glaubt, der wird verdammt
werden."
ZUM DRlTTEN
Wie kann Wasser solch große Dinge tun?
Wasser tut's freilich nicht, sondern das Wort Gottes,
das mit und bei dem Wasser ist, und der Glaube, der
solchem Worte Gottes im Wasser traut. Denn ohne Gottes
Wort ist das Wasser schlicht Wasser und keine Taufe;
aber mit dem Worte Gottes ist's eine Taufe, das ist
ein gnadenreiches Wasser des Lebens und ein Bad der
neuen Geburt im Heiligen Geist; wie Paulus sagt zu
Titus im dritten Kapitel: "Gott macht uns selig durch
das Bad der Wiedergeburt und Erneuerung im Heiligen
Geist, den er über uns reichlich ausgegossen hat durch
Jesus Christus, unsern Heiland, damit wir, durch dessen
Gnade gerecht geworden, Erben des ewigen Lebens würden
nach unsrer Hoffnung". Das ist gewisslich wahr.
ZUM VIERTEN
Was bedeutet denn solch Wassertaufen?
Es bedeutet, dass der alte Adam in uns durch tägliche
Reue und Buße soll ersäuft werden und sterben mit
allen Sünden und bösen Lüsten; und wiederum täglich
herauskommen und auferstehen ein neuer Mensch, der
in Gerechtigkeit und Reinheit vor Gott ewiglich lebe.
Wo steht das geschrieben?
Der Apostel Paulus spricht zu den Römern im sechsten
Kapitel: "Wir sind mit Christus begraben durch die
Taufe in den Tod, damit, wie Christus auferweckt ist
von den Toten durch die Herrlichkeit des Vaters, auch
wir in einem neuen Leben wandeln."
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Das
Sakrament des Altars oder das Heilige Abendmahl von
Dr. Martin Luther
ZUM ERSTEN
Was ist das Sakrament des Altars?
Es ist der wahre Leib und Blut unsers Herrn Jesus
Christus, unter dem Brot und Wein uns Christen zu
essen und zu trinken von Christus selbst eingesetzt.
Wo steht das geschrieben?
So schreiben die heiligen Evangelisten Matthäus, Markus,
Lukas und der Apostel Paulus: "Unser Herr Jesus Christus,
in der Nacht, da er verraten ward, nahm er das Brot,
dankte und brach's und gab's seinen Jüngern und sprach:
Nehmet hin und esset: Das ist mein Leib, der für euch
gegeben wird; solches tut zu meinem Gedächtnis.
Desgleichen nahm er auch den Kelch nach dem Abendmahl,
dankte und gab ihnen den und sprach: Nehmet hin und
trinket alle daraus: Dieser Kelch ist das neue Testament
in meinem Blut, das für euch vergossen wird zur Vergebung
der Sünden; solches tut, sooft ihr's trinket. zu meinem
Gedächtnis."
ZUM ZWEITEN
Was nützt denn solch Essen und Trinken?
Das zeigen uns diese Worte: Für euch gegeben und vergossen
zur Vergebung der Sünden; nämlich, dass uns im Sakrament
Vergebung der Sünden, Leben und Seligkeit durch solche
Worte gegeben wird; denn wo Vergebung der Sünden ist,
da ist auch Leben und Seligkeit.
ZUM DRITTEN
Wie kann leiblich Essen und Trinken solch große Dinge
tun?
Essen und Trinken tut's freilich nicht, sondern die
Worte, die da stehen: Für euch gegeben und vergossen
zur Vergebung der Sünden. Diese Worte sind neben dem
leiblichen Essen und Trinken das Hauptstück im Sakrament.
Und wer diesen Worten glaubt, der hat, was sie sagen
und wie sie lauten, nämlich: Vergebung der Sünden.
ZUM VIERTEN
Wer empfängt denn dieses Sakrament würdigt?
Fasten und leiblich sich bereiten ist zwar eine feine
äußerliche Zucht; aber der ist recht würdig und wohl
geschickt, wer den Glauben hat an diese Worte: Für
euch gegeben und vergossen zur Vergebung der Sünden.
Wer aber diesen Worten nicht glaubt oder zweifelt,
der ist unwürdig und ungeschickt; denn das Wort Für
euch fordert nichts als gläubige Herzen.
VOM AMT DER SCHLÜSSEL UND VON DER BEICHTE.
(Das Stück von Beichte und Vergebung findet sich ursprünglich
nicht im Kleinen Katechismus, geht aber zum Teil auf
Martin Luther zurück.)
Was ist das Amt der Schlüssel?
Es ist die besondere Gewalt, die Christus seiner Kirche
auf Erden gegeben hat, den bußfertigen Sündern die
Sünden zu vergeben, den unbußfertigen aber die Sünden
zu behalten, solange sie nicht Buße tun.
Wo steht das geschrieben?
Unser Herr Jesus Christus spricht bei Matthäus im
sechzehnten Kapitel zu Petrus: Ich will dir des Himmelreichs
Schlüssel geben: alles, was du auf Erden binden wirst,
soll auch im Himmel gebunden sein, und alles, was
du auf Erden lösen wirst, soll auch im Himmel gelöst
sein.
Desgleichen spricht er zu seinen Jüngern bei Johannes
im zwanzigsten Kapitel: Nehmet hin den Heiligen Geist!
Welchen ihr die Sünden erlasset, denen sind sie erlassen;
und welchen ihr sie behaltet, denen sind sie behalten.
Was ist die Beichte?
Die Beichte begreift zwei Stücke in sich: eins, dass
man die Sünde bekenne, das andere, dass man die Absolution
oder Vergebung vom Beichtiger empfange als von Gott
selbst und ja nicht daran zweifle, sondern fest glaube,
die Sünden seien dadurch vergeben vor Gott im Himmel.
Welche Sünden soll man denn beichten?
Vor Gott soll man sich aller Sünden schuldig bekennen,
auch die wir nicht erkennen, wie wir im Vaterunser
tun. Aber vor dem Beichtiger sollen wir allein die
Sünden bekennen, die wir wissen und fühlen im Herzen.
Welche sind die?
Da siehe deinen Stand an nach den zehn Geboten, ob
du Vater, Mutter, Sohn, Tochter bist, in welchem Beruf
und Dienst du stehst: ob du ungehorsam, untreu, unfleißig,
zornig, zuchtlos, streitsüchtig gewesen bist, ob du
jemand Leid getan hast mit Worten oder Werken, ob
du gestohlen, etwas versäumt oder Schaden getan hast.
Wie bekennst du deine Sünden vordem Beichtiger?
So kannst du zum Beichtiger sprechen:
Ich bitte, meine Beichte zu hören und mir die Vergebung
zuzusprechen um Gottes willen.
Hierauf bekenne dich vor Gott aller Sünden schuldig
und sprich vor dem Beichtiger aus, was als besondere
Sünde und Schuld auf dir liegt. Deine Beichte kannst
du mit den Worten schließen:
Das alles ist mir leid. Ich bitte um Gnade. Ich will
mich bessern.
Wie geschieht die Lossprechung (Absolution)?
Der Beichtiger spricht:
Gott sei dir gnädig und stärke deinen Glauben. Amen.
Glaubst du auch, dass meine Vergebung Gottes Vergebung
ist?
Antwort:
Ja, das glaube ich.
Darauf spricht er:
Wie du glaubst, so geschehe dir.
Und ich, auf Befehl unseres Herrn Jesus Christus,
vergebe dir deine Sünden im Namen des Vaters und des
Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.
Gehe hin in Frieden!
Welche aber im Gewissen sehr beschwert oder betrübt
und angefochten sind, die wird ein Beichtvater wohl
mit mehr Worten der Heiligen Schrift zu trösten wissen
und zum Glauben reizen. Dies soll nur eine Weise der
Beichte sein.
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Die
95 Thesen von Dr. Martin Luther
Aus
Liebe zur Wahrheit und in dem Bestreben, diese zu
ergründen, soll in Wittenberg unter dem Vorsitz
des ehrwürdigen Vaters Martin Luther, Magisters
der freien Künste und der heiligen Theologie
sowie deren ordentlicher Professor daselbst, über
die folgenden Sätze disputiert werden. Deshalb
bittet er die, die nicht anwesend sein und mündlich
mit uns debattieren können, dieses in Abwesenheit
schriftlich zu tun. Im Namen unseres Herrn Jesu Christi,
Amen.
1.
Da unser Herr und Meister Jesus Christus spricht:
"Tut Buße" usw. (Matth. 4,17), hat
er gewollt, dass das ganze Leben der Gläubigen
Buße sein soll.
2.
Dieses Wort kann nicht von der Buße als Sakrament
- d. h. von der Beichte und Genugtuung -, die durch
das priesterliche Amt verwaltet wird, verstanden werden.
3.
Es bezieht sich nicht nur auf eine innere Buße,
ja eine solche wäre gar keine, wenn sie nicht
nach außen mancherlei Werke zur Abtötung
des Fleisches bewirkte.
4.
Daher bleibt die Strafe, solange der Hass gegen sich
selbst - das ist die wahre Herzensbuße - bestehen
bleibt, also bis zum Eingang ins Himmelreich.
5.
Der Papst will und kann keine Strafen erlassen, außer
solchen, die er auf Grund seiner eigenen Entscheidung
oder der der kirchlichen Satzungen auferlegt hat.
6.
Der Papst kann eine Schuld nur dadurch erlassen, dass
er sie als von Gott erlassen erklärt und bezeugt,
natürlich kann er sie in den ihm vorbehaltenen
Fällen erlassen; wollte man das gering achten,
bliebe die Schuld ganz und gar bestehen.
7.
Gott erlässt überhaupt keinem die Schuld,
ohne ihn zugleich demütig in allem dem Priester,
seinem Stellvertreter, zu unterwerfen.
8.
Die kirchlichen Bestimmungen über die Buße
sind nur für die Lebenden verbindlich, den Sterbenden
darf demgemäß nichts auferlegt werden.
9.
Daher handelt der Heilige Geist, der durch den Papst
wirkt, uns gegenüber gut, wenn er in seinen Erlassen
immer den Fall des Todes und der höchsten Not
ausnimmt.
10.
Unwissend und schlecht handeln diejenigen Priester,
die den Sterbenden kirchliche Bußen für
das Fegefeuer aufsparen.
11.
Die Meinung, dass eine kirchliche Bußstrafe
in eine Fegefeuerstrafe umgewandelt werden könne,
ist ein Unkraut, das offenbar gesät worden ist,
während die Bischöfe schliefen.
12.
Früher wurden die kirchlichen Bußstrafen
nicht nach, sondern vor der Absolution auferlegt,
gleichsam als Prüfstein für die Aufrichtigkeit
der Reue.
13.
Die Sterbenden werden durch den Tod von allem gelöst,
und für die kirchlichen Satzungen sind sie schon
tot, weil sie von Rechts wegen davon befreit sind.
14.
Ist die Haltung eines Sterbenden und die Liebe (Gott
gegenüber) unvollkommen, so bringt ihm das notwendig
große Furcht, und diese ist umso größer,
je geringer jene ist.
15.
Diese Furcht und dieser Schrecken genügen für
sich allein - um von anderem zu schweigen -, die Pein
des Fegefeuers auszumachen; denn sie kommen dem Grauen
der Verzweiflung ganz nahe.
16.
Es scheinen sich demnach Hölle, Fegefeuer und
Himmel in der gleichen Weise zu unterscheiden wie
Verzweiflung, annähernde Verzweiflung und Sicherheit.
17.
Offenbar haben die Seelen im Fegefeuer die Mehrung
der Liebe genauso nötig wie eine Minderung des
Grauens.
18.
Offenbar ist es auch weder durch Vernunft- noch Schriftgründe
erwiesen, dass sie sich außerhalb des Zustandes
befinden, in dem sie Verdienste erwerben können
oder in dem die Liebe zunehmen kann.
19.
Offenbar ist auch dieses nicht erwiesen, dass sie
- wenigstens nicht alle - ihrer Seligkeit sicher und
gewiss sind, wenngleich wir ihrer völlig sicher
sind.
20.
Daher meint der Papst mit dem vollkommenen Erlass
aller Strafen nicht einfach den Erlass sämtlicher
Strafen, sondern nur derjenigen, die er selbst auferlegt
hat.
21.
Deshalb irren jene Ablassprediger, die sagen, dass
durch die Ablässe des Papstes der Mensch von
jeder Strafe frei und loswerde.
22.
Vielmehr erlässt er den Seelen im Fegefeuer keine
einzige Strafe, die sie nach den kirchlichen Satzungen
in diesem Leben hätten abbüßen müssen.
23.
Wenn überhaupt irgendwem irgendein Erlas aller
Strafen gewährt werden kann, dann gewiss allein
den Vollkommensten, das heißt aber, ganz wenigen.
24.
Deswegen wird zwangsläufig ein Großteil
des Volkes durch jenes in Bausch und Bogen und großsprecherisch
gegebene Versprechen des Straferlasses getäuscht.
25.
Die gleiche Macht, die der Papst bezüglich des
Fegefeuers im Allgemeinen hat, besitzt jeder Bischof
und jeder Seelsorger in seinem Bistum bzw. seinem
Pfarrbezirk im Besonderen.
26.
Der Papst handelt sehr richtig, den Seelen (im Fegefeuer)
die Vergebung nicht auf Grund seiner - ihm dafür
nicht zur Verfügung stehenden - Schlüsselgewalt,
sondern auf dem Wege der Fürbitte zuzuwenden.
27.
Menschenlehre verkündigen die, die sagen, dass
die Seele (aus dem Fegefeuer) emporfliege, sobald
das Geld im Kasten klingt.
28.
Gewiss, sobald das Geld im Kasten klingt, können
Gewinn und Habgier wachsen, aber die Fürbitte
der Kirche steht allein auf dem Willen Gottes.
29.
Wer weiß denn, ob alle Seelen im Fegefeuer losgekauft
werden wollen, wie es beispielsweise beim heiligen
Severin und Paschalis nicht der Fall gewesen sein
soll.
30.
Keiner ist der Echtheit seiner Reue gewiss, viel weniger,
ob er völligen Erlass (der Sündenstrafe)
erlangt hat.
31.
So selten einer in rechter Weise Buße tut, so
selten kauft einer in der rechten Weise Ablass, nämlich
außerordentlich selten.
32.
Wer glaubt, durch einen Ablassbrief seines Heils gewiss
sein zu können, wird auf ewig mit seinen Lehrmeistern
verdammt werden.
33.
Nicht genug kann man sich vor denen hüten, die
den Ablass des Papstes jene unschätzbare Gabe
Gottes nennen, durch die der Mensch mit Gott versöhnt
werde.
34.
Jene Ablassgnaden beziehen sich nämlich nur auf
die von Menschen festgesetzten Strafen der sakramentalen
Genugtuung.
35.
Nicht christlich predigen die, die lehren, dass für
die, die Seelen (aus dem Fegefeuer) loskaufen oder
Beichtbriefe erwerben, Reue nicht nötig sei.
36.
Jeder Christ, der wirklich bereut, hat Anspruch auf
völligen Erlass von Strafe und Schuld, auch ohne
Ablassbrief.
37.
Jeder wahre Christ, sei er lebendig oder tot, hat
Anteil an allen Gütern Christi und der Kirche,
von Gott ihm auch ohne Ablassbrief gegeben.
38.
Doch dürfen der Erlass und der Anteil (an den
genannten Gütern), die der Papst vermittelt,
keineswegs gering geachtet werden, weil sie - wie
ich schon sagte - die Erklärung der göttlichen
Vergebung darstellen.
39.
Auch den gelehrtesten Theologen dürfte es sehr
schwer fallen, vor dem Volk zugleich die Fülle
der Ablässe und die Aufrichtigkeit der Reue zu
rühmen.
40.
Aufrichtige Reue begehrt und liebt die Strafe. Die
Fülle der Ablässe aber macht gleichgültig
und lehrt sie hassen, wenigstens legt sie das nahe.
41.
Nur mit Vorsicht darf der apostolische Ablass gepredigt
werden, damit das Volk nicht fälschlicherweise
meint, er sei anderen guten Werken der Liebe vorzuziehen.
42.
Man soll die Christen lehren: Die Meinung des Papstes
ist es nicht, dass der Erwerb von Ablass in irgendeiner
Weise mit Werken der Barmherzigkeit zu vergleichen
sei.
43.
Man soll den Christen lehren: Dem Armen zu geben oder
dem Bedürftigen zu leihen ist besser, als Ablass
zu kaufen.
44.
Denn durch ein Werk der Liebe wächst die Liebe
und wird der Mensch besser, aber durch Ablass wird
er nicht besser, sondern nur teilweise von der Strafe
befreit.
45.
Man soll die Christen lehren: Wer einen Bedürftigen
sieht, ihn übergeht und statt dessen für
den Ablass gibt, kauft nicht den Ablass des Papstes,
sondern handelt sich den Zorn Gottes ein.
46.
Man soll die Christen lehren: Die, die nicht im Überfluss
leben, sollen das Lebensnotwendige für ihr Hauswesen
behalten und keinesfalls für den Ablass verschwenden.
47.
Man soll die Christen lehren: Der Kauf von Ablass
ist eine freiwillige Angelegenheit, nicht geboten.
48.
Man soll die Christen lehren: Der Papst hat bei der
Erteilung von Ablass ein für ihn dargebrachtes
Gebet nötiger und wünscht es deshalb auch
mehr als zur Verfügung gestelltes Geld.
49.
Man soll die Christen lehren: Der Ablass des Papstes
ist nützlich, wenn man nicht sein Vertrauen darauf
setzt, aber sehr schädlich, falls man darüber
die Furcht Gottes fahren lässt.
50.
Man soll die Christen lehren: Wenn der Papst die Erpressungsmethoden
der Ablassprediger wüsste, sähe er lieber
die Peterskirche in Asche sinken, als dass sie mit
Haut, Fleisch und Knochen seiner Schafe erbaut würde.
51.
Man soll die Christen lehren: Der Papst wäre,
wie es seine Pflicht ist, bereit - wenn nötig
-, die Peterskirche zu verkaufen, um von seinem Gelde
einem großen Teil jener zu geben, denen gewisse
Ablassprediger das Geld aus der Tasche holen.
52.
Auf Grund eines Ablassbriefes das Heil zu erwarten
ist eitel, auch wenn der (Ablass-)Kommissar, ja der
Papst selbst ihre Seelen dafür verpfändeten.
53.
Die anordnen, dass um der Ablasspredigt willen das
Wort Gottes in den umliegenden Kirchen völlig
zum Schweigen komme, sind Feinde Christi und des Papstes.
54.
Dem Wort Gottes geschieht Unrecht, wenn in ein und
derselben Predigt auf den Ablass die gleiche oder
längere Zeit verwendet wird als für jenes.
55.
Die Meinung des Papstes ist unbedingt die: Wenn der
Ablass - als das Geringste - mit einer Glocke, einer
Prozession und einem Gottesdienst gefeiert wird, sollte
das Evangelium - als das Höchste - mit hundert
Glocken, hundert Prozessionen und hundert Gottesdiensten
gepredigt werden.
56.
Der Schatz der Kirche, aus dem der Papst den Ablass
austeilt, ist bei dem Volke Christi weder genügend
genannt noch bekannt.
57.
Offenbar besteht er nicht in zeitlichen Gütern,
denn die würden viele von den Predigern nicht
so leicht mit vollen Händen austeilen, sondern
bloß sammeln.
58.
Er besteht aber auch nicht aus den Verdiensten Christi
und der Heiligen, weil diese dauernd ohne den Papst
Gnade für den inwendigen Menschen sowie Kreuz,
Tod und Hölle für den äußeren
bewirken.
59.
Der heilige Laurentius hat gesagt, dass der Schatz
der Kirche ihre Armen seien, aber die Verwendung dieses
Begriffes entsprach der Auffassung seiner Zeit.
60.
Wohlbegründet sagen wird, dass die Schlüssel
der Kirche - die ihr durch das Verdienst Christi geschenkt
sind - jenen Schatz darstellen.
61.
Selbstverständlich genügt die Gewalt des
Papstes allein zum Erlass von Strafen und zur Vergebung
in besondern, ihm vorbehaltenen Fällen.
62.
Der wahre Schatz der Kirche ist das allerheiligste
Evangelium von der Herrlichkeit und Gnade Gottes.
63.
Dieser ist zu Recht allgemein verhasst, weil er aus
Ersten Letzte macht.
64.
Der Schatz des Ablasses jedoch ist zu Recht außerordentlich
beliebt, weil er aus Letzten Erste macht.
65.
Also ist der Schatz des Evangeliums das Netz, mit
dem man einst die Besitzer von Reichtum fing.
66.
Der Schatz des Ablasses ist das Netz, mit dem man
jetzt den Reichtum von Besitzenden fängt.
67.
Der Ablass, den die Ablassprediger lautstark als außerordentliche
Gnaden anpreisen, kann tatsächlich dafür
gelten, was das gute Geschäft anbelangt.
68.
Doch sind sie, verglichen mit der Gnade Gottes und
der Verehrung des Kreuzes, in der Tat ganz geringfügig.
69.
Die Bischöfe und Pfarrer sind gehalten, die Kommissare
des apostolischen Ablasses mit aller Ehrerbietung
zuzulassen.
70.
Aber noch mehr sind sie gehalten, Augen und Ohren
anzustrengen, dass jene nicht anstelle des päpstlichen
Auftrags ihre eigenen Phantastereien predigen.
71.
Wer gegen die Wahrheit des apostolischen Ablasses
spricht, der sei verworfen und verflucht.
72.
Aber wer gegen die Zügellosigkeit und Frechheit
der Worte der Ablassprediger auftritt, der sei gesegnet.
73.
Wie der Papst zu Recht seinen Bannstrahl gegen diejenigen
schleudert, die hinsichtlich des Ablassgeschäftes
auf mannigfache Weise Betrug ersinnen,
74.
So will er viel mehr den Bannstrahl gegen diejenigen
schleudern, die unter dem Vorwand des Ablasses auf
Betrug hinsichtlich der heiligen Liebe und Wahrheit
sinnen.
75.
Es ist irrsinnig zu meinen, dass der päpstliche
Ablass mächtig genug sei, einen Menschen Loszusprechen,
auch wenn er - was ja unmöglich ist - der Gottesgebärerin
Gewalt angetan hätte.
76.
Wir behaupten dagegen, dass der päpstliche Ablass
auch nicht die geringste lässliche Sünde
wegnehmen kann, was deren Schuld betrifft.
77.
Wenn es heißt, auch der heilige Petrus könnte,
wenn er jetzt Papst wäre, keine größeren
Gnaden austeilen, so ist das eine Lästerung des
heiligen Petrus und des Papstes.
78.
Wir behaupten dagegen, dass dieser wie jeder beliebige
Papst größere hat, nämlich das Evangelium,
"Geisteskräfte und Gaben, gesund zu machen"
usw., wie es 1. Kor. 12 heißt.
79.
Es ist Gotteslästerung zu sagen, dass das (in
den Kirchen) an hervorragender Stelle errichtete (Ablass-)
Kreuz, das mit dem päpstlichen Wappen versehen
ist, dem Kreuz Christi gleichkäme.
80.
Bischöfe, Pfarrer und Theologen, die dulden,
dass man dem Volk solche Predigt bietet, werden dafür
Rechenschaft ablegen müssen.
81.
Diese freche Ablasspredigt macht es auch gelehrten
Männern nicht leicht, das Ansehen des Papstes
vor böswilliger Kritik oder sogar vor spitzfindigen
Fragen der Laien zu schützen.
82.
Zum Beispiel: Warum räumt der Papst nicht das
Fegefeuer aus um der heiligsten Liebe und höchsten
Not der Seelen willen - als aus einem wirklich triftigen
Grund -, dass er doch unzählige Seelen loskauft
um des unheilvollen Geldes zum Bau einer Kirche willen
- als aus einem sehr fadenscheinigen Grund -?
83.
Oder: Warum bleiben die Totenmessen sowie Jahrfeiern
für die Verstorbenen bestehen, und warum gibt
er (der Papst) nicht die Stiftungen, die dafür
gemacht worden sind, zurück oder gestattet ihre
Rückgabe, wenn es schon ein Unrecht ist, für
die Losgekauften zu beten?
84.
Oder: Was ist das für eine neue Frömmigkeit
vor Gott und dem Papst, dass sie einem Gottlosen und
Feinde erlauben, für sein Geld eine fromme und
von Gott geliebte Seele loszukaufen; doch um der eigenen
Not dieser frommen und geliebten Seele willen erlösen
sie diese nicht aus freigeschenkter Liebe?
85.
Oder: Warum werden die kirchlichen Bußsatzungen,
die "tatsächlich und durch Nichtgebrauch"
an sich längst abgeschafft und tot sind, doch
noch immer durch die Gewährung von Ablass mit
Geld abgelöst, als wären sie höchst
lebendig?
86.
Oder: Warum baut der Papst, der heute reicher ist
als der reichste Crassus, nicht wenigstens die eine
Kirche St. Peter lieber von seinem eigenen Geld als
dem der armen Gläubigen?
87.
Oder: Was erlässt der Papst oder woran gibt er
denen Anteil, die durch vollkommene Reue ein Anrecht
haben auf völligen Erlass und völlige Teilhabe?
88.
Oder: Was könnte der Kirche Besseres geschehen,
als wenn der Papst, wie er es (jetzt) einmal tut,
hundertmal am Tage jedem Gläubigen diesen Erlass
und diese Teilhabe zukommen ließe?
89.
Wieso sucht der Papst durch den Ablass das Heil der
Seelen mehr als das Geld; warum hebt er früher
gewährte Briefe und Ablässe jetzt auf, die
doch ebenso wirksam sind?
90.
Diese äußerst peinlichen Einwände
der Laien nur mit Gewalt zu unterdrücken und
nicht durch vernünftige Gegenargumente zu beseitigen
heißt, die Kirche und den Papst dem Gelächter
der Feinde auszusetzen und die Christenheit unglücklich
zu machen.
91.
Wenn daher der Ablass dem Geiste und der Auffassung
des Papstes gemäß gepredigt würde,
lösten sich diese (Einwände) alle ohne weiteres
auf, ja es gäbe sie überhaupt nicht.
92.
Darum weg mit allen jenen Propheten, die den Christen
predigen: "Friede, Friede", und ist doch
kein Friede.
93.
Wohl möge es gehen allen den Propheten, die den
Christen predigen: "Kreuz, Kreuz", und ist
doch kein Kreuz.
94.
Man soll die Christen ermutigen, dass sie ihrem Haupt
Christus durch Strafen, Tod und Hölle nachzufolgen
trachten
95.
und dass die lieber darauf trauen, durch viele Trübsale
ins Himmelreich einzugehen, als sich in falscher geistlicher
Sicherheit zu beruhigen.
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oben
Die
10 Angebote der Kirche
1.
Angebot:
Lebe deinen Glauben in Gemeinschaft
Kirche
ist eine große Gemeinschaft. In ihr tauschen
sich die Menschen über ihren Glauben aus und
bekommen dadurch neue Anregungen für die großen
Fragen nach Ursprung, Sinn und Ziel des Lebens. In
den vielen kirchlichen Gruppen für alle Generationen
und den Gottesdiensten (nicht nur am Sonntagmorgen)
geht es fröhlich und einladend zu, die Menschen
sind offen auch für Fremde. Das erleichtert den
Schritt heraus aus dem Alleinsein, hinein in ein gutes
Miteinander. Diese Glaubensgemeinschaft hat ihre Keimzelle
in der Kirche an deinem Ort. Sie geht aber auch darüber
hinaus. Fast in der ganzen Welt kannst du Mitarbeiter
und Mitarbeiterinnen der evangelischen Kirche ansprechen.
2.
Angebot:
Erfahre Zuspruch von Hoffnung
Besonders
in den Gottesdiensten wird die gute Nachricht (das
Evangelium) von Gottes Liebe zu den Menschen und zu
seiner ganzen Schöpfung hörbar, und im Abendmahl
auch sichtbar und spürbar. Hier wird auch die
menschliche Sehnsucht nach Segen gehört und beantwortet.
So ist ein (sonntäglicher) Gottesdienst die segensreiche
Basis für deinen Alltag. Du schöpfst Kraft
und Mut, um in schweren Situationen nicht die Hoffnung
zu verlieren.
3.
Angebot:
Gib deinem Leben Sinn
Im
christlichen Glauben bewahrt die Kirche eine Wahrheit,
die Menschen sich nicht selber sagen können.
Diese Wahrheit, in der Jesus Christus gelebt hat,
gibt auch deinem Leben einen Sinn. Sie macht ein verantwortungsbewusstes
Leben möglich. In der Kirche wird jeder Mensch
als Person ernst- und angenommen, mit allen Schwächen
und Stärken, mit aller Sympathie und allen Eigenheiten.
Ich sein zu können, das ermutigt zu eigenverantwortlichem
Handeln, gerade auch anderen gegenüber, das ermutigt
dich dazu, dich in der Kirche ehrenamtlich zu engagieren,
und dadurch deinem Leben einen Sinn zu geben.
4.
Angebot:
Übernimm Verantwortung
Gott
ist ein Freund des Lebens. Das setzt Maßstäbe
für Toleranz und Phantasie, für Geduld und
Nächstenliebe, für Mut zur Meinungsäußerung
und Entschlossenheit. Das sind Werte, die deinem Leben
Sinn geben und das Miteinander in der Welt ermöglichen
können. Das sind auch Werte, die Jesus Christus
dir vorgelebt hat, und die über viele Generationen
in den Geschichten und Texten der Bibel überliefert
worden sind. Verantwortungsvolles Leben, in dem du
über deine eigenen Grenzen hinaus denkst, ist
ur-christlich. In deinem Engagement für andere
(im kirchlichen Ehrenamt) kannst du Verantwortung
übernehmen.
5.
Angebot:
Erlebe die Vielfalt
Allein
schon durch die Menschen, die in der Kirche zusammenkommen,
wird das Treiben farbenfroh und abwechslungsreich:
da gibt es Altes und Junges, Traditionelles und Modernes,
Anspruchsvolles und Unterhaltendes, Gewohntes und
Ungewohntes, Geistliches und Weltliches. Eben eine
bunte Vielfalt, von der du ein Teil bist!
6.
Angebot:
Feiere den Jahreslauf
Weihnachten,
Ostern und Erntedank prägen den Jahreslauf. Durch
biblische Inhalte und kirchliche Traditionen erhalten
zudem noch viele andere Feste ihren Sinn und den eigentlichen
Grund, gefeiert zu werden. Wenn du dies bewusst gestaltest
und erlebst, ist es eine Erfahrung ganz besonderer
Art.
7.
Angebot:
Empfinde mit allen Sinnen
Das
menschliche Bedürfnis, das eigene Leben unter
den Schutz einer höheren Macht zu stellen, wird
in der Kirche ernst genommen. In den Gottesdiensten
geschieht etwas Unbegreifliches, das doch spürbar
ist. Dieses Besondere begleitet den Menschen sein
ganzes Leben: in der Taufe und Konfirmation wie bei
einer Trauung und auch bei einer Beerdigung.
8.
Angebot:
Lerne zusammen mit anderen
Kirchliche
Kindergärten und Konfirmandenunterricht sind
in unserer Gesellschaft eine Selbstverständlichkeit.
Hier werden den Kindern von Klein auf christliche
Werte vermittelt. Dies wird im Religionsunterricht
weitergeführt. Eine Besonderheit sind die konfessionellen
Schulen. Sie haben in ihrer Erziehung die Ganzheitlichkeit
des Menschen im Blick und setzen insbesondere die
Religiosität des Menschen als existentiell voraus.
Diese Religiosität wird in der Gemeinschaft gelebt.
9.
Angebot:
Finde immer ein offenes Ohr
In
unserer schnelllebigen Zeit wird die Bereitschaft
zum Zuhören immer seltener. In den Beratungsstellen
und Einrichtungen der Kirche sind professionelle Menschen,
die sich gerne die Zeit nehmen zuzuhören. Egal,
worum es geht. Egal, in welcher Situation.
10. Angebot:
Hilf anderen ehrenamtlich
In
der Kirche arbeiten unzählige Menschen daran,
anderen Menschen das Leben erträglicher zu gestalten.
In den Krankenhäusern und Hospizen, Beratungsstellen
und Pfarrhäusern, aber auch Besuchsdienstkreisen,
Krabbelgruppen und Seniorenclubs: Überall gibt
es Frauen und Männer, die sich liebevoll um ihre
Schützlinge kümmern. Ohne die Unterstützung
durch Ehrenamtliche wäre die besondere menschliche
Zuwendung, die kirchliche Arbeit ausmacht, nicht möglich.
Helfende Menschen finden sich aber nicht nur in den
heimischen Kirchengemeinden, sondern auch in armen
Ländern, in denen sie Hilfe zur Selbsthilfe leisten.
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