Evangelische Kirchengemeinde Gedern
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Bericht in der ev.Sonntagszeitung vom 25.06.2006

 

Evanglische Sonntagszeitung vom 25.06.2006

 

 

Niemand geht verloren

 

Christus hilft, den Glauben auch in Krisen zu finden.

Von Kurt Johann.

Wenn bei der WM ein Spiel verloren geht, muss man das wohl sportlich sehen. Wer nicht verlieren kann, sollte erst gar nicht anfangen zu spielen.

Ganz anders sieht es in unserem Leben aus. Da wiegt ein Verlust schwerer. Menschen können sich selbst verlieren, in einer Sucht, in eigenen Problemen. Menschen können sich auch schnell selbst verloren vorkommen, in einer Gesellschaft, von der ich den Eindruck habe, dass sie den Einzelnen und seine Würde schon längst aus dem Blick verloren hat. Schlimmer ist es, wenn wir jemanden verlieren, den wir lieben. Dann bestimmt Trauer und Schmerz unser Leben. Manch einer hat darin auch schon seinen Glauben verloren. Mir fällt auch das Paar ein, das im Lauf der Zeit seine Liebe zueinander verloren hat, und die vielen Menschen, die ihren Arbeitsplatz und damit noch viel mehr, häufig auch Selbstwert und Lebenssinn, verloren haben.

 

Der Menschensohn ist gekommen zu suchen und selig zu machen, was verloren ist.

Lukas 19,10

 

Ja, es gibt viele Situationen im Leben, da kommen wir uns verloren vor. Wir finden nicht mehr zu uns selbst und wir finden nicht mehr zu Gott. Zwei Menschen und Ereignisse nur aus den vergangenen beiden Tagen in meiner Gemeinde. Ein Mann, allseits beliebt und in der Mitte seines Lebens, kämpft den Kampf seines Lebens, kämpft gegen den Krebs an, getragen und geborgen in seiner Familie. Und eigentlich hatten wir gedacht, er hätte es geschafft, und dann ging es wieder von vorne los und noch viel schlimmer. Wir haben gebetet und gehofft und nun war scheinbar alles umsonst. Der Mann hat den Kampf gegen den Krebs verloren und die, die ihn lieben, vielleicht ihren Glauben.

Ein kleines Kind, gerade mal anderthalb Jahre alt. Ein Autounfall. Es war vorschriftsmäßig angeschnallt. Beim Aufprall aber muss der Kopf so nach vorne geschleudert worden sein, dass es sich das Genick brach. Vor wenigen Stunden habe ich erfahren, dass es gestorben ist. Die Trauer, das Entsetzen ist groß. Und Fragen über Fragen: Was hatte dieses Leben, das so kurz nur währte, für einen Sinn? Wenn Gott dieses Leben erschaffen hat, warum durfte es nur so kurze Zeit leben? Ich habe keine Antwort darauf. Und ich versuche auch nicht mehr, eine zu finden. Das ist mit Hirn und Verstand einfach nicht zu fassen, da zerreißt es einem das Herz.

»Der Menschensohn ist gekommen zu suchen und selig zu machen, was verloren ist.«

Der Wochenspruch aus dem Lukasevangelium ist ein Satz Jesu, ursprünglich zu dem aus vielen Kindergottesdiensten bekannten Oberzöllner und Baumkletterer Zachäus gesprochen. Ich versuche, diesen Satz nun für mich und für den Mann und das Kind zu hören und für jene, die um sie trauern.

Vielleicht muss man noch Psalm 139 dazu lesen. Am besten den Vers: »Nähme ich Flügel der Morgenröte und bliebe am äußersten Meer, so würde auch dort deine Hand mich führen und deine Rechte mich halten. Spräche ich Finsternis möge mich decken und Nacht statt Licht sein, so wäre auch Finsternis nicht finster bei dir und die Nacht leuchtete wie der Tag.«

Ich habe keine Antwort auf das Leid. Und ich habe auch keine Antwort auf den Verlust eines Menschen. Ich habe nur die eine Hoffnung, die uns durch Jesus gegeben ist. Er ist gekommen zu suchen und selig zu machen, was verloren ist. Bei Gott geht niemand verloren, er sucht und er rettet uns, Sie und mich und den Mann und das Kind.

Diese Hoffnung kann und will ich nicht aufgeben. Glauben heißt, ein Vertrauen zu haben in Jesus und dass bei ihm niemand verloren geht. Dazu ist er gekommen, zu suchen und zu retten was verloren ist.

 

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