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Berichte im Kreisanzeiger vom 08.09.2007

 

Pfarrer Kurt Johann aus Gedern wird für drei Monate in Libanons Hauptstadt Beirut leben

 

GEDERN (pd). "Den Marathon im Herbst in Beirut mitzulaufen, das wäre schon eine Herausforderung", sagt Pfarrer Kurt Johann aus Gedern mit leuchtenden Augen. Er möchte gerne Teil dieser aufregenden, wunderschönen und doch so durch Krieg und Zerstörung geschundenen Stadt sein. Für drei Monate dort leben, mit allem, was dazu gehört. Doch er weiß auch um die Schwierigkeiten, um die Gefahren, die in diesem Land lauern.

 

Ein "Studienurlaub" im klassischen Sinne wird, ja kann es nicht sein. Am 25. September, einen Tag nach seiner Ankunft in Beirut, sind Präsidentschaftswahlen. Es gehe darum, erläutert Johann, den Einfluss der Syrer im Libanon zu beschränken und erinnert dabei an die Demonstrationen nach dem Mord an Präsident Hariri vor drei Jahren. Damals hätten über eine Million Menschen für den Abzug der Syrer aus dem Libanon demonstriert. Jeder dritte Libanese sei gegen die Syrer "auf die Straße gegangen". Auf der anderen Seite versuche Syrien immer wieder über die Hisbollah und über die Terrororganisationen der Flüchtlingslager wie der Fatah Islam, Einfluss im Lande zu gewinnen.

 

Angst? Nein, die habe er nicht, obgleich ihm natürlich bewusst sei, dass es nach den Wahlen unruhiger werden könne. Aber er fühle sich durch seine Familie getragen, die mit seinem Vorhaben einverstanden sei. Und er wolle auch wirklich dort hin. "Der Nahe Osten ist mein Ding. Wo anders als im Libanon kann man den interreligiösen Dialog besser kennen lernen?"

 

Im Libanon gebe es 17 anerkannte Religionsgemeinschaften. Neben der mehrheitlich islamischen Bevölkerung lebe im Land eine erhebliche Zahl von Christen, erläutert der "Student für ein Vierteljahr" an der Near Eastern School of Theology. Gemeinsam mit vier weiteren Pfarrern aus dem Gebiet der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau werde er die Fächer Islam, Kenntnis und Geschichte der christlichen Kirche im Nahen Osten sowie christlich-muslimischer Dialog studieren. Zahlreiche Bücher in englischer Sprache seien ihm im Vorfeld bereits eine gute Hilfe gewesen. Denn die Vorlesungen und Seminare werden ausschließlich auf Englisch gehalten.

 

Ein wenig sei er schon stolz, dass er nach einem harten Auswahlverfahren vom Ausschuss der Landeskirche, in dem unter anderem Kirchenpräsident Professor Peter Steinacker und Propst Klaus Eibach saßen, für die Qualifizierungsmaßnahme für den interreligiösen Dialog ausgewählt worden sei.

 

"Bitte beten Sie für meinen Dienst und für meine sichere Rückkehr nach Gedern."

Kurt Johann, Pfarrer.

 

Schließlich habe er schon seit Jahren einen eher unüblichen Zugang zum interreligiösen Dialog. Seine Auffassung: Religionen sollten sich jeglicher Rechthaberei und Intoleranz enthalten, auch wenn jeder davon überzeugt sei, den "richtigen Glauben" zu haben. Vielmehr sollte nach Wegen eines gemeinsamen Ethos gesucht werden, nach einer gemeinsamen Verantwortung für die Welt. "Aber es hat mit Sicherheit einen tieferen Sinn, dass ich jetzt dabei bin", ist Kurt Johann überzeugt.

 

Seine Erfahrungen möchte er nach seiner Rückkehr Ende Dezember in den interreligiösen Dialog vor Ort in seiner Gemeinde, im Dekanat, aber auch in der Landeskirche einbringen. In vielen Fragen des religiösen Miteinanders sei Kompetenz gefordert, so Johann. Man denke nur an die Diskussionen um "das Kopftuch in Schulen", um islamischen Religionsunterricht an deutschen Schulen, um geplante Moscheebauten oder ganz allgemein um die Integration von Ausländern. Gerade in diesen Fragen könne er in Zukunft als Ansprechpartner zur Verfügung stehen.

 

Pfarrer Johann ist sehr dankbar, dass es nach mehreren vergeblichen Anläufen mit dem Studienurlaub klappt. Schließlich sei es kein leichtes Unterfangen, Gemeinde und Familie für drei Monate zu verlassen. Sein Dank gelte insbesondere Dekan Wolfgang Keller und allen, die mithelfen würden, dass das Gemeindeleben in Gedern seinen gewohnten Gang nehmen könne. Pfarrer Burkhard Zentgraf aus Burkhards/Kaulstoß übernehme Dienste weit über seinen eigentlichen Auftrag hinaus, Kirchenvorsteher würden sich der Geburtstagsbesuche annehmen und Dekanatsjugendreferent Hans-Joachim Adolph begleite bis Weihnachten den Konfirmandenunterricht. Wichtig sei ihm besonders, sich durch Gebete der Gemeinde getragen zu wissen. "Bitte beten Sie für meinen Dienst und für meine sichere Rückkehr nach Gedern" appelliert der Seelsorger an seine Gemeinde. "Wenn ich in den Libanon reise, dann bin ich auf Ihre Unterstützung und noch mehr auf Ihre Gebete angewiesen."

 

Gelegenheit, sich von Pfarrer Johann zu verabschieden, wird am Sonntag, 16. September, um 10 Uhr im Gottesdienst in der evangelischen Kirche zu Gedern sein. Dekan Wolfgang Keller wird zudem Pfarrer Burkhard Zentgraf begrüßen, der fortan mit einem halben Dienstauftrag in Gedern wirken wird, und das auch nach der Rückkehr von Pfarrer Johann. 

 

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