Evangelische Kirchengemeinde Gedern
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Berichte im Kreisanzeiger vom 20.03.2008

 

Kirche muss auf Veränderungen reagieren


Dekanatssynode diskutierte über zentrale Fragen des Bildungssystems - Schule ein Ort religiöser Sozialisation


SCHOTTEN (pd). Im Rahmen der Frühjahrssynode des Evangelischen Dekanates Schotten im Dietrich-Bonhoeffer-Haus konnte Vorsitzende Renate Hänecke auch die Büdinger Dekanin Sabine Bertram-Schäfer und Dekan Manfred Patzelt für den Synodalvorstand des Dekanates Nidda begrüßen. Bertram-Schäfer berichtete über die Entwicklung der Büdinger Tafel. Gerade in der aktuellen Diskussion um Armut und Reichtum in unserer Gesellschaft sei die Tafel eigentlich kein Erfolgsprojekt, auch wenn sie derzeit von rund 700 Kunden in Anspruch genommen werde. "Es ist schon traurig, dass so viele Menschen in unserer Region auf diese Hilfe angewiesen sind", so die Dekanin.

 

Schottens Erste Stadträtin Heide Förschner betonte im Hinblick auf das Hauptthema des Tages, wie wichtig der enge Kontakt zwischen Schule, Kirche und Kommune sei.

 

 

 

(Im Bild rechts oben unser Pfarrer Kurt Johann)

 

 

Im Rahmen der Haushaltsberatungen für das Jahr 2008 ging Dekan Wolfgang Keller auf die Mitgliederentwicklung ein. Gab es im Dekanat Schotten 1992 noch 19 156 Evangelische, so seien es heute gerade noch 17 410. Ursache hierfür seien weniger die Austritte als vielmehr die demographische Entwicklung. Bei der Finanzierung der gemeindlichen Arbeit dürfe in Anbetracht der unterschiedlichen Größe nicht allein die Gemeindegliederzahl den Ausschlag geben, machte Keller deutlich. Um Gerechtigkeit walten zu lassen, müsse unter anderem auch die Zahl der Predigtstellen eine Rolle spielen. Ganz kleinen Gemeinden wie Volkartshain mit 131 Evangelischen stünden Gemeinden wie Schotten oder Gedern gegenüber, die 20-mal größer seien. Bobenhausen II sei in fünf Ortsteile gesplittet. Insofern seien die Verhältnisse teilweise sehr unterschiedlich. Dies müsse einfach bei der Mittelzuweisung bedacht werden.

 

Das Haushaltsvolumen beträgt für das laufende Jahr 412 808 Euro. Hiervon seien gerade mal 28 000 Euro freie Mittel, über die die Synode beziehungsweise der Synodalvorstand frei entscheiden könnte, erläuterte Keller. Wegen der besseren Übersichtlichkeit würden die Bereiche Jugendarbeit und Kirchenmusik quasi als Haushalte im Haushalt dargestellt. So werde auch deutlich, dass beispielsweise in der schulbezogenen Jugendarbeit 60 Prozent der Sach- und Personalkosten vom Vogelsbergkreis und der Stadt Schotten fremdfinanziert würden. Nach einer kurzen Aussprache fand der Haushaltsplan 2008 einhellig Zustimmung der Synode.

 

Als absolutes Zukunftsthema bezeichnete Wolfgang Keller die Frage, wie sich Kirche gegenüber Schule in den nächsten Jahren positioniere. Von G 8 über Landeszentralabitur bis hin zur Ganztagsschule seien viele Themen im Gespräch, von denen auch die kirchliche Arbeit tangiert werde. Kirche wirke auch an der Wertevermittlung in der Schule mit. Schule sei ein Ort religiöser Sozialisation, ein Ort, an dem das Leben der Kinder in hohem Maße geprägt und mitbestimmt würde. Kirche müsse die Veränderungen im System Schule registrieren und sich mit dem veränderten Angebot auseinandersetzen. Was bedeute in diesem Zusammenhang "Ganztagsschule", wie wirke diese Veränderung auf das Freizeitverhalten? Keller forderte, die Partnerschaft zwischen Kirche und Schule zu intensivieren. Dabei müsse die Kirche letztlich auch inhaltlich überzeugen.

 

Als "output-gesteuert" bezeichnete Schuldirektor Hans Joachim Gruel, der als Gast an der Synode teilnahm, das gegenwärtige System. Die Gesellschaft werde immer heterogener, die neuen Medien hätten immer größere Einflüsse. "Wir haben heute viele Kinder mit Hornhaut auf der Seele", brachte er es auf den Punkt. Oftmals fehlten die Schlüsselqualifikationen. Dennoch würden die Anforderungen in der Schule ständig steigen. Die Schulen sollten mehr Abschlüsse produzieren - trotz schwieriger Ausgangslage.

 

"Wir haben es heute mit einer Schule zu tun, die selektiv ist und nicht aufs Fördern angelegt ist", kritisierte Gruel. Das föderal verfasste Bildungssystem fordere Politiker geradezu heraus, die Bildungspolitik als Spielwiese und Versuchsfeld zu nutzen. Vor diesem Hintergrund malte Gruel das Bild einer "neuen Schule". Es müsse eine selbstständige Schule geben mit eigenem Finanz- und Personalbudget. Und es müsse die Ganztagsschule geben, um mit den Defiziten umzugehen. Mit "mehr Offenheit und Flexibilität" könne die Schule ein Haus des Lernens werden, in dem die Menschen gestärkt, die Sachen geklärt würden. Schule müsse auch Orientierung geben. Gerade hier würde der Kirche eine große Rolle zukommen.

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