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Berichte im Kreisanzeiger vom 23.05.2014

  

 

Politiker und Pfarrer lassen sich nicht einschüchtern

 

Von Bruno Rieb

 

SCHREIBEN NPD-Nachwuchsorganisation verschickt Kondome / „Feige bis zum Abwinken“

 

WETTERAUKREIS - Zahlreiche Wetterauer sind Opfer einer peinlichen Aktion der NPD-Nachwuchsorganisation Junge Nationaldemokraten geworden. Die Neonazis haben Pfarrern, Vereinsvorsitzenden und Politikern Kondome zugeschickt. Die Angeschriebenen sollen sich nicht vermehren, lautet die Botschaft der Braunen.

 

„Sie vermehren sich blitzartig, nerven, kosten Geld und haben eigentlich keinen Nutzen – die Politiker der korrupten Altparteien“, steht auf der Rückseite der schwarzen Verpackung der Kondome. Vorne steht groß „Für Ausländer und ausgewählte Deutsche“ drauf. Im Anschreiben heißt es: „Sie handeln schon lange nicht mehr nach der Maxime, dem Wohle des deutschen Volkes zu dienen und Schaden von ihm abzuwenden, sondern Sie sind dafür verantwortlich, dass Deutschland eine exorbitant hohe Verschuldung aufweist und immer weitere Souveränitätsrechte abtritt.“

 

Es sei „feige bis zum Abwinken“, ihm „ein solches personalisiertes Schreiben zu schicken und selbst zu feige zu sein, mit einem Namen zu unterschreiben“, sagt der Gederner Pfarrer Kurt Johann, der den Brief am Dienstag erhalten hat. Er ist lediglich mit „Die Jugend für Deutschland – JN“ unterzeichnet. Johann hilft Flüchtlingen. Im Gederner Bürgermeisterwahlkampf hat er sich gegen den NPD-Kandidaten engagiert. „Seitdem haben die mich auf der Liste“, sagt er. Einschüchtern lässt er sich nicht: „Mein Kampf für Menschlichkeit und Nächstenliebe geht weiter, von Faschisten lasse ich mich nicht beeindrucken.“ Er hat die Aktion des NPD-Nachwuchses auf Facebook öffentlich gemacht, um angesichts der Europawahl deutlich zu machen, dass man rechtsextreme Parteien nicht wählen darf. Bis zum späten Donnerstagnachmittag war das Posting bereits über 2300 Mal geteilt worden.

 

Die „Grätsche gegen Rechtsaußen“ in Echzell hat auch Post von der NPD bekommen. „Wir teilen zwar vieles, aber kein Kondom“, beschwert sich Sprecher Manfred Linss, dass die Rechtsextremen seine Organisation nur mit einem Präservativ bedacht haben. Überhaupt sieht er in dem Schreiben ein Lob. „Ich beglückwünsche jeden, der es auch bekommen hat“, sagt er.

 

Wenig glücklich ist die Vorsitzende der Linken in der Wetterau und Kreistagsabgeordnete Gabi Faulhaber über die Post von den Neonazis. Der Brief solle „einschüchtern und signalisieren: Wir wissen, wer du bist und wo du wohnst“, vermutet sie. Auf dem Text der Kondompackung werde so getan, als interessiere sie sich nicht für Probleme und schiebe im Parlament eine ruhige Kugel. Faulhaber: „Ob die schon mal ihre eigenen NPD-Kreistagsabgeordneten beobachtet haben? Die haben nie Unterlagen dabei, spielen im Kreistag und den Ausschüssen mit dem Smartphone und schieben eine mehr als ruhige Kugel.“

 

Rouven Kötter (SPD), Bürgermeister in Wölfersheim, hat sich auf Facebook auch als Opfer der Neonazi-Attacke geoutet. „Ich bin fassungslos: Die NPD-Jugend schickt mir ein Kondom für ,Ausländer und ausgewählte Deutsche‘. Botschaft: Ich soll mich nicht mehr fortpflanzen, weil meine Politik unser Land gefährde... Eine unfassbar niveaulose Aktion!“, schreibt er. Kötters Nachricht ist vielfach kommentiert worden. Das Spektrum der Kommentare reicht von „Ich würde das als Kompliment für meine politischen Aktivitäten sehen“ über „peinlicher geht es wirklich nicht mehr“ und „bei solchen Menschen muss doch gewaltig was schief gelaufen sein, um erstens so zu denken wie sie denken und zweitens ein solches Schreiben aufzusetzen“ bis hin zu „Wann wird diese Truppe endlich verboten, das ist Rassenwahn im Jahre 2014“.

 

Sie werde auf jeden Fall Anzeige erstatten, kündigt Faulhaber an. Er werde das nicht tun, sagt Johann. Die Erfolgsaussichten seien gering. Das Schreiben werde schon seit Längerem versandt und es gebe bereits ein Urteil, das es als zulässige Meinungsäußerung einstufe. Linss von der „Grätsche“ sieht es ähnlich.

 

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