Evangelische Kirchengemeinde Gedern
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Bericht im Kreisanzeiger vom 18.09.2007

 

"Ein Abschied schmerzt immer"

 

Pfarrer Kurt Johann geht für drei Monate nach Beirut

 

GEDERN (ih). Dekan Wolfgang Keller hielt jetzt den Gottesdienst zur Verabschiedung des Gederner Pfarrers Kurt Johann, der am kommenden Sonntagabend von Frankfurt aus seine Studienreise nach Beirut im Libanon antreten wird. Gleichzeitig begrüßte die Gemeinde Pfarrer Burkhard Zentgraf, der vor zwei Wochen in Kaulstoß und Burkhards seinen Dienst aufgenommen hat und der über die Abwesenheit von Pfarrer Johann hinaus eine halbe Stelle in Gedern ausfüllen wird. Bis zum Jahresende wird Pfarrer Zentgraf Vertretung sein, danach werden beide Pfarrer die Sonntags- und Kasualgottesdienste wechselweise halten. Darüber hinaus betreut Zentgraf die beiden Gederner Altenheime.

Für den Kirchenvorstand nahm Birgit Vonalt Zentgraf freundlich auf und wünschte Johann für seine Reise alles Gute. Die Kinder des Kindergartens "Arche Noah" nahmen die beiden Pfarrer in ihren Kreis rund um den Altar auf und sangen ein Segenslied. Der Posaunenchor der Gemeinde unterstützte die Organistin Annemarie Emmel musikalisch.

Zur Predigt betrat Burkhard Zentgraf das erste Mal die Gederner Kanzel. Anhand der Geschichte des blinden Bartimäus, der unbeirrt daran glaubte, wieder sehen zu können, und als Einziger Jesus als den erkannte, der er war, stellte Zentgraf dar, wie er seine Aufgabe in Gedern sehe: die Augen für Jesus Christus zu öffnen, die Neugier zu wecken für die Frage, was er für jeden Einzelnen sein möge.

Fünf Pfarrer der Evangelischen Landeskirche Hessen-Nassau, darunter Kurt Johann, werden eine dreimonatige Studienreise in den Libanon antreten, seit jeher eine Zuflucht für Christen im Nahen Osten, mit einem christlichen Bevölkerungsanteil von 30 Prozent in einer ansonsten muslimischen Welt. An der Near Eastern School of Theology werden die Geistlichen Islam, Kenntnis und Geschichte der christlichen Kirche im Nahen Osten sowie christlich-muslimischen Dialog studieren. In dieser keineswegs friedlichen Region werden die Lebensumstände für die Pfarrer ganz anders als die gewohnten sein. Die erworbenen Kenntnisse und Erfahrungen sollen die Fortführung des Dialoges zwischen den Religionen auch in der hiesigen Region möglich machen.

In seinen Abschiedsworten an die Gemeinde zitierte Kurt Johann den Österreicher Arthur Schnitzler. Mit den Worten "Ein Abschied schmerzt immer, auch wenn man sich lange darauf gefreut hat", sprach Johann von den gemischten Gefühlen, die er bezüglich der Reise hegt. Die jüngsten Ereignisse, nämlich die Festnahme von zum Islam konvertierten jungen Männern, die den Terror nach Deutschland bringen wollten, oder die politischen Reaktionen, wie die vorgeschlagene Listenführung von Konvertiten, Ideen von Kreuzen in Klassenzimmern, zeigten sehr deutlich, dass Frontalstellungen nicht helfen. Für den Dialog gebe es keine Alternative.

Mit seinen bescheidenen Möglichkeiten wolle er mitwirken, dass die Achtung gegenüber anderen Religionen steige, dass es einen Frieden zwischen den Religionen gebe. Er bat die Gemeinde, für ihn zu beten. Johann schloss mit Fontane: "Abschiedsworte sollten so kurz wie Liebesgrüße sein." So kurz sei es nicht gewesen, er hoffe dennoch, dass sich die Gemeinde der Liebe, die er für sie empfinde, bewusst sei. 

 

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