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Bericht vom 15.12.2010

 

 

Gedanken und Stichpunkte zur gegenwärtigen Situation im Libanon (2010)

1.

Mit Spannung wird erwartet ob und wenn ja wann das UN-Tribunal zum Attentat am ehemaligen Ministerpräsidenten Rafik Hariri Anklage erheben wird. Es wird davon gesprochen, dass zwei Mitglieder von Hisbollah angeklagt werden sollen. Die Propaganda von Hisbollah läuft mit offenen und versteckten Drohungen auf vollen Hochtouren. Eine Anklageerhebung würde die Hisbollah zu einer Terrororganisation machen und definitiv zu einem Bürgerkrieg im Libanon führen.

Mit welchem recht so fragt man kann ein UN-Tribunal Libanesen anklagen, wenn George Bush nicht angeklagt wird in Irak und in Guantanamo Folterungen angeordnet zu haben und in seinem Bucxh Waterboarding als normale Verhörmethode ansieht. Das UN-Tribunal wird als eine Methode des Westens verstanden muslimische Organisationen zu verfolgen.

Tatsache ist, dass niemals ein UN-Gericht nur den Versuch machte die USA oder auch nur einen Staatsbürger der USA anzuzeigen.

 

2.

Seit die Türkei wegen des von Israel abgefangenen Schiffes mit Aktivisten auf dem Seeweg nach Gaza abfing , im Streit mit Israel liegt, hat die Türkei wieder mehr Einfluss auf das geschehen im Mittleren Osten. Vielleicht war das so auch geplant, denn dadurch ist die Türkei auf jeden Fall wieder ein Player im großen Spiel der Mächte im Mittleren Osten, etwas was dem shiitischen Iran so gar nicht gefallen dürfte, haben doch die Sunniten im Libanon mit der Türkei nun auch eine ausländische Macht hinter sich.

 

 

3.

Der Konflikt, der früher einmal zwischen Muslimen und Christen ausgetragen wurde (Bürgerkireg 75-90) ist mehr und mehr ein Streit und Kampf zwischen Sunniten und Schiiten geworden. Seit die Christliche Partei von General Aoun zum Bündnis mit Hisbollah gehört sind die Christen gespalten und somit auch politisch im Libanon geschwächt.

 

 

4.

Die Situation der Christen im Mittleren Osten wird immer bedrängender, vor allem im Irak.

Die "Christen" Amerikas unter G.W Bush haben es geschafft zu einer Verfolgung der Christen im Irak beizutragen, die zu ihrer nahezu vollständigen Vernichtung und Vertreibung geführt hat. Der Einmarsch im Irak, von Bush selbst als Kreuzzug bezeichnet, hat bis hetzt etwa 1.2 Millionen Menschen das Leben gekostet. Die Christen im Irak, vornehmlich der syrisch-orthodoxen Kirche des Ostens angehörig, sind von 1.5 Mio vor Kriegsbeginn auf eine Zahl unter 10 Tausend marginalisiert worden.

In diesen Kontext gehört auch das Kairos-Palästina Dokument palästinensischer Christen, das ich wegen seiner Einseitigkeit allerdings noch nicht abschließend beurteilen möchte. Auf jeden Fall ist ein Hilfeschrei in größter Not, es wäre allerdings wünschenswert, wenn darin nicht nur die Israelische Besatzung benannt würde, sondern auch die Benachteiligungen von Christen in der West Bank durch die palästinensische Regierung.

 

5.

Zur Not, vor allem kleiner nationaler Kirchen, tragen auch die Folgen der Weltwirtschaftkrise bei. Wohin wir hören, wird uns von einem Spendenrückgang und einer Zuweisungskürzung um die 30 bis 40 % berichtet. Viele Projekte stehen im Moment darum vor dem Aus.

 

6.

Die Veröffentlichung zahlreicher Dokumente durch Wikileaks hat, so berechtigt und notwendig sie auch sein mögen, um die Verlogenheit politischer Führer und ihrer Regierungen aufzuzeigen, zu einer gefährlichen Gemengelage zwischen den Staaten des Mittleren Osten geführt. Nun ist klar, dass das wahabitische Saudi Arabien, das sich als Hüter der beiden Heiligtümer Medina und Mekka versteht, vor zwei Jahren zur Bombardierung und somit Vernichtung der Hisbollah im Libanon ausgesprochen hat.

Das wird man ihnen nie vergessen. Die im Moment stattfindenden Gespräche zwischen Regierung und Opposition im Libanon, die von Syrien und Saudi Arabien begleitet und moderiert werden, stehen somit m. E. nicht mehr wirklich unter einem guten Stern.

 

7.

Etwa 1/3 der Bevölkerung des Libanon wären wohl mittlerweile bereit sich als "konfessionslos" registrieren zu lassen, wenn dies möglich wäre.

Ich bin mit ihnen absolut sicher, dass der Weg zu einer Normalisierung des Libanon, nur über eine Säkularisierung im Libanon möglich sein wird und vielleicht gilt das auch für die ganze muslimische Welt.

Eine Hoffnung und Vision, die sich freilich auf absehbare Zeit nicht erfüllen wird.

Klar ist aber auch, dass dieser Weg, wenn er denn möglich sein soll nur über die Muslime Europas führen kann. Darum ist die gegenwärtige islamfeindliche Debatte in Deutschland und in der westlichen Welt (Siehe Frankreich) auch so schädlich. Erst eine gleichberechtigte und von Respekt getragene Integration der Muslime in Europa und in Deutschland im Besonderen kann den Weg zu einer Säkularisierung der muslimischen Welt ebnen. Es ist auch gerade das, was islamistische Terrororganisationen wegbomben wollen, Einflüsse des Westens auf den Islam.


 

Viele Grüsse
Kurt Johann

 

 

 

 

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